Über zwei Jahrzehnte lang basierte das Ökosystem der Verbreitung von Inhalten im Web auf einem einfachen, ungeschriebenen Vertrag: Websites liefern Content an Google, Google liefert Traffic an die Websites. Ein fairer Tauschhandel. Website-Betreiber*innen haben Zeit, Geld und Expertise in hochwertige Inhalte investiert, und im Gegenzug hat die Suchmaschine potenzielle Kunden auf die Seite geschickt.
Doch dieser Vertrag wurde einseitig aufgekündigt.
Mit der flächendeckenden Einführung von KI-generierten Antworten (den sogenannten “AI Overviews”) hat Google die Spielregeln grundlegend verändert. Die Suchmaschine mutiert von einem Wegweiser zu einer Antwortmaschine. Für uns als Website-Betreiber*innen und Content-Ersteller*innen hat das massive, teils existenzbedrohende Konsequenzen. Es ist an der dringenden Zeit, sehr laut darüber nachzudenken, wie eine faire Zukunft im KI-Zeitalter aussehen muss.
Die harten Fakten: So drastisch brechen die Klickraten ein
Wenn Nutzer*innen die Antworten auf ihre Fragen direkt oben in den Suchergebnissen lesen können, gibt es für sie keinen Grund mehr, auf ein Suchergebnis zu klicken. Die Quellen, aus denen die KI diese Antworten zusammenklaubt, werden oft nur noch unscheinbar verlinkt – wenn überhaupt.
Die aktuellen Zahlen aus der Branche belegen, wie dramatisch die Auswirkungen bereits sind. Eine groß angelegte Studie von Seer Interactive (September 2025) zeichnet ein düsteres Bild:
Der Traffic, auf den viele Geschäftsmodelle aufbauen, verdampft damit direkt auf der Ergebnisseite von Google.
Die Kostenlos-Mentalität eines Monopolisten
Während uns der Traffic entzogen wird, bedient sich Google nach wie vor kostenlos an unserem urheberrechtlich geschützten Content. Unsere Blogposts, Ratgeberartikel, Shop-Texte und Analysen werden massenhaft gecrawlt, um Daten zu aggregieren, den Gemini-Algorithmus zu trainieren und eben jene AI Overviews zu generieren, die uns am Ende die Klicks kosten.
Das Perfide daran: Wer als Website-Betreiber entscheidet, dem KI-Training durch Google zu widersprechen (Opt-out), riskiert laut aktueller Kartellrechtsverfahren und Branchenberichten gleichzeitig drastische Einbußen in der allgemeinen Suchsichtbarkeit. Das ist keine freie Entscheidung mehr, sondern faktisch ein Zwang. Ein globales Unternehmen nutzt hier seine erdrückende Marktmacht (von rund 90 % Marktanteil bei Suchmaschinen) in unzulässiger Weise aus.
Andere machen es vor: Content-Partnerschaften als neuer Standard
Dass es auch anders geht, zeigen andere große Player im KI-Markt. Der Content von Publishern hat einen enormen Wert für die Qualität von Sprachmodellen – und das wird zunehmend anerkannt:
Google verlässt sich hingegen größtenteils darauf, das freie Web ohne Kompensation abzugrasen, und weigert sich beharrlich, diese Partnerschaftsmodelle auf die breite Masse der Website-Betreiber auszuweiten.
Wie könnte eine faire Vergütung aussehen?
Wenn Google unsere Inhalte nutzt, um Nutzer auf der eigenen Plattform zu halten und dort Werbung auszuspielen, muss der Urheber am Gewinn beteiligt werden. Das ist ein grundlegendes wirtschaftliches Prinzip. Doch wie lässt sich das praktisch umsetzen?
Die Politik ist am Zug: Urheberrecht muss durchgesetzt werden
Wir dürfen die Lösung dieses Problems nicht dem guten Willen des Silicon Valleys überlassen. Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Die EU hat mit dem AI Act erste Schritte in Richtung Transparenz gemacht, doch das reicht beim Thema Urheberrecht nicht aus.
Es braucht klare gesetzliche Rahmenbedingungen: Tech-Konzerne müssen gesetzlich dazu verpflichtet werden, Offenlegungsberichte darüber zu führen, welche urheberrechtlich geschützten Werke für das Training und die Ausgabe ihrer KI-Modelle genutzt wurden. Zudem laufen derzeit bereits Untersuchungen (unter anderem von der EU-Kommission und dem US-Justizministerium), ob Googles Praktiken beim KI-Training den Wettbewerb verzerren. Die Politik muss hier hart durchgreifen: Ein Opt-out vom KI-Training darf niemals zu einer Abstrafung im klassischen Suchmaschinen-Ranking führen. Das Kopplungsverbot muss strikt durchgesetzt werden.
Der juristische Präzedenzfall – Was wir vom Musik-Business lernen können
Dass Konzepte wie eine zentrale Verwertungsgesellschaft keine theoretische Träumerei sind, zeigt aktuell ein Blick in die Musikbranche. Hier bildet sich gerade die juristische Speerspitze im Kampf der Urheber gegen die KI-Konzerne – und das mit greifbarem Erfolg.
Die GEMA hat das US-Unternehmen Suno (einen Anbieter für KI-generierte Musik) vor dem Landgericht München verklagt. Der Vorwurf: Die KI wurde massenhaft und systematisch mit urheberrechtlich geschützten Songs trainiert, zahlt dafür keine Lizenzen und spuckt nun auf Knopfdruck Lieder aus, die Hits wie „Mambo No. 5“ oder „Daddy Cool“ zum Verwechseln ähnlich klingen.
Bei der mündlichen Verhandlung im März 2026 legte das Gericht den Parteien eindringlich eine Einigung – sprich: ein handfestes Lizenz- und Vergütungsmodell – nahe. Der Grund für diesen deutlichen Wink mit dem Zaunpfahl? Die GEMA hatte bereits im November 2025 am selben Gericht ein historisches Grundsatzurteil gegen OpenAI (ChatGPT) erstritten. Das Gericht urteilte damals glasklar in erster Instanz: Das ungefragte Training von KI-Modellen und die unlizenzierte Wiedergabe von geschützten Texten verletzen geltendes europäisches Urheberrecht.
Was das exemplarisch für Google und unseren Content bedeutet
Dieses Vorgehen ist eine juristische Blaupause für uns Website-Betreiber. Wenn Verwertungsgesellschaften vor deutschen Gerichten durchsetzen können, dass KI-Giganten für Trainingsdaten und Output zahlen müssen, wackelt Googles Kostenlos-Mentalität bei unseren Texten gewaltig. Es beweist: Das Urheberrecht hat auch im KI-Zeitalter Zähne.
Eine vergleichbare, kollektive Verwertungsgesellschaft für digitalen Website-Content könnte Google mit genau dieser rechtlichen Hebelwirkung zwingen, pauschale Lizenzgebühren für die Nutzung unserer Blogposts, Ratgeber und Analysen in den AI Overviews abzuführen. Tech-Giganten können sich auf Dauer nicht hinter der Ausrede verstecken, das freie Web sei ein bedingungsloser Selbstbedienungsladen.
Und jetzt? Das Fazit für uns Website-Betreiber*innen?
Der Traffic-Kuchen, der über klassische Informations-Suchanfragen verteilt wird, schrumpft rasant. Das ist die Realität, der wir uns als Unternehmer*innen stellen müssen. Wir können und sollten jedoch nicht tatenlos darauf warten, bis Gerichte oder die Politik in jahrelangen Verfahren für Gerechtigkeit und faire Vergütungsmodelle sorgen.
Umso wichtiger ist es jetzt, die eigene Content-Strategie radikal zu überdenken und unabhängiger von Googles parasitärem Vorgehen zu werden. KI-Modelle sind hervorragend darin, generisches Lexikon-Wissen und Basisinformationen zusammenzufassen. Genau dieser generische Content wird zukünftig keinen einzigen Besucher mehr auf Websites bringen. Die Antwort der KI reicht den Nutzer*innen schlichtweg aus.
Was eine KI jedoch niemals kopieren oder künstlich erzeugen kann, ist echte, gelebte Expertise und menschliche Erfahrung. Der Fokus muss sich verschieben: weg von austauschbaren, rein für Maschinen geschriebenen SEO-Texten, hin zu tiefgehenden Praxis-Insights, echten Fallstudien, spezifischen Problemlösungen und klarer Meinungsstärke. Content muss zukünftig Charakter haben, um Vertrauen aufzubauen. Wir müssen klar zeigen, dass wir die Schmerzpunkte unserer Kund*innen aus der Praxis kennen – und damit Werte schaffen, den kein AI Overview einfach zusammenfassen kann.
Gleichzeitig gilt es, die Kanäle zu diversifizieren. Wer sich heute nur auf das organische Google-Ranking verlässt, steht auf wackeligen Beinen. Es geht um den Aufbau einer starken eigenen Marke, um direkten Traffic, clevere Social-Media-Ansätze und den direkten Draht zur Zielgruppe.
Wie können wir helfen?
Wir behalten diese rasanten Entwicklungen ganz genau im Blick. Wenn Du wissen möchtest, wie krisenfest Deine aktuelle Aufstellung im Zeitalter von AI Overviews ist, lass uns reden. Wir entwickeln ganzheitliche Strategien – von solidem Webdesign über strategische SEO-Beratung bis hin zu Content, der Deine Expertise unkopierbar macht und Deine Zielgruppe punktgenau erreicht. Auch dann, wenn Google gerade mal wieder die Spielregeln ändert.
